Solaranlage fürs Wohnmobil planen: In fünf Schritten zur passenden Größe
Die häufigste Frage lautet „Wie viel Wp brauche ich?“ – die richtige Antwort beginnt aber beim Verbrauch, nicht beim Modul. Dieser Leitfaden führt in fünf Schritten durch die Planung und verweist an jeder Stelle auf den passenden Rechner.
Schritt 1: Tagesverbrauch ermitteln
Liste alle Verbraucher mit Leistung und täglicher Laufzeit auf. Getaktete Geräte (Kühlschrank, Heizungsgebläse) zählen nur mit ihrer tatsächlichen Laufzeit. 230-V-Geräte über Wechselrichter kosten zusätzlich 10–15 % Verluste plus Leerlaufverbrauch.
Stromverbrauch-Rechner – mit Vorlagen für typische Geräte
Schritt 2: Reisezeit und Region festlegen
Die Einstrahlung schwankt in Deutschland um den Faktor zehn zwischen Dezember und Juli. Eine Anlage, die im Juli reicht, ist im Oktober hoffnungslos unterdimensioniert – und eine für den Winter ausgelegte Anlage im Sommer sinnlos groß. Wähle den schlechtesten Monat, in dem du regelmäßig frei stehen willst, als Auslegungsmonat.
- Sommercamper (Mai–September): 4–5,5 Volllaststunden pro Tag
- Ganzjahres-Übergangszeit (März/April, Oktober): 2–3 Volllaststunden
- Winter: unter 1 Volllaststunde – hier lieber Ladebooster oder Landstrom einplanen
Schritt 3: Modulleistung berechnen
Leistung [Wp] = Verbrauch [Wh] × (1 + Reserve) ÷ (Volllaststunden × Performance Ratio)Die Performance Ratio von 0,6–0,75 für flach montierte Module ist realistisch: Modultemperatur, Verschmutzung, Regler, Kabel und Teilverschattung durch Dachaufbauten kosten zusammen ein Viertel bis ein Drittel der Nennleistung. Wer die Module aufständern kann, gewinnt in der Übergangszeit 20–50 %.
Solarbedarf-Rechner – mit regionalen Monatswerten
Schritt 4: Batterie dazu passend wählen
Solar liefert nur tagsüber; die Batterie überbrückt Nacht und Regentage. Zwei bis drei Tage Verbrauch als nutzbare Kapazität sind ein guter Richtwert. Umgekehrt muss die Solaranlage die Batterie nach einer Schlechtwetterphase auch wieder voll bekommen – der Solar-Ladezeit-Rechner zeigt, wie viele Sonnentage das dauert.
Autarkie-Rechner – stellt Verbrauch, Solarertrag und Batterie gegenüber
Schritt 5: Laderegler und Verkabelung
- MPPT statt PWM: Ab etwa 150–200 Wp holt ein MPPT-Regler 10–30 % mehr heraus, besonders bei kühlem Wetter und Modulen mit höherer Spannung.
- Reglergröße: Der Regler muss den Kurzschlussstrom und die Leerlaufspannung der Module (bei Kälte höher!) verkraften – Datenblatt beachten.
- Kabel: Vom Regler zur Batterie kurz und dick (Spannungsabfall unter 1–2 %), sonst kommt die Ladespannung nicht an.
- Sicherung: Jede Leitung nahe an der Batterie absichern; Herstellerangaben und Normen sind maßgeblich.
Kabelquerschnitt-Rechner – für die Leitung Regler → Batterie
Häufige Fehler
- Nur nach der Dachfläche planen statt nach dem Verbrauch.
- Nennleistung mit Dauerleistung verwechseln – 200 Wp liefern im Tagesmittel eines Sommertags rund 30 W.
- Verschattung durch Dachhaube, Klimaanlage oder Sat-Schüssel ignorieren – ein Teilschatten kann ein ganzes Modul lahmlegen.
- Batterie und Regler nicht auf LiFePO4 einstellen.
Quellen
Veröffentlicht am 19.09.2026.