Batterietypen im Wohnmobil: AGM, Gel und LiFePO4 im Vergleich
„100 Ah“ steht auf fast jeder Aufbaubatterie – doch wie viel davon wirklich nutzbar ist, wie oft sich die Batterie laden lässt und wie sie sich bei Kälte verhält, hängt vom Typ ab. Dieser Artikel erklärt die Unterschiede zwischen Bleitechnologien (AGM, Gel, Nass) und Lithium-Eisenphosphat (LiFePO4) so, dass du die Zahlen in den Rechnern richtig einordnen kannst.
Nennkapazität ist nicht nutzbare Kapazität
Bleibatterien altern schnell, wenn sie tief entladen werden. Als Faustregel gilt: nicht unter 50 % Ladezustand. Von 100 Ah sind also etwa 50 Ah (600 Wh bei 12 V) praktisch nutzbar. LiFePO4-Zellen vertragen dagegen 80–90 % Entladetiefe bei tausenden Zyklen – aus 100 Ah werden rund 80–90 Ah (1.000–1.150 Wh bei 12,8 V).
Dazu kommt bei Blei der Peukert-Effekt: Die Kapazität wird für 20-stündige Entladung angegeben (C20). Wer schneller entlädt – etwa mit einem Wechselrichter – bekommt spürbar weniger heraus. Bei 50 A aus einer 100-Ah-AGM sind es rechnerisch nur noch rund 63 Ah. LiFePO4 kennt diesen Effekt praktisch nicht.
Batterielaufzeit-Rechner – berücksichtigt Entladetiefe und Peukert-Effekt automatisch
Die Technologien im Überblick
| Merkmal | Nass (Blei-Säure) | AGM | Gel | LiFePO4 |
|---|---|---|---|---|
| Nennspannung 12-V-System | 12,0 V | 12,0 V | 12,0 V | 12,8 V |
| Empfohlene Entladetiefe | ≈ 50 % | ≈ 50 % | ≈ 50 % | 80–90 % |
| Zyklen (bei empf. Entladetiefe) | 300–500 | 400–700 | 500–900 | 2.000–5.000+ |
| Gewicht je 100 Ah | ≈ 25–30 kg | ≈ 28–32 kg | ≈ 30–34 kg | ≈ 11–14 kg |
| Ladewirkungsgrad | ≈ 80 % | ≈ 85 % | ≈ 85 % | ≈ 95–99 % |
| Laden unter 0 °C | möglich (langsam) | möglich | möglich | nur mit Heizung / BMS-Sperre |
| Wartung | Wasser nachfüllen, Gasung | wartungsfrei | wartungsfrei | wartungsfrei |
AGM (Absorbent Glass Mat) ist der Standard bei Serienfahrzeugen: robust, günstig, hohe Ströme möglich, aber schwer und zyklenarm. Gel-Batterien vertragen Tiefentladung etwas besser, mögen aber keine hohen Ladeströme. LiFePO4 ist leicht, zyklenfest und liefert bis zum Schluss stabile Spannung – braucht aber ein passendes Ladegerät und Schutz vor Kälte.
Laden: Was sich mit LiFePO4 ändert
- Ladekennlinie: LiFePO4 will 14,2–14,6 V ohne lange Erhaltungsladung bei 13,8 V; Ladegeräte, Ladebooster und Solarregler brauchen ein Lithium-Profil.
- Ladebooster statt Trennrelais: Die niedrige Innenwiderstand der Lithiumzellen kann Lichtmaschinen überlasten; ein Ladebooster begrenzt den Strom.
- Kälte: Unter 0 °C darf nicht geladen werden. Gute Batterien haben ein BMS mit Temperatursperre, manche eine integrierte Heizung.
- BMS-Grenzen: Der maximale Dauerstrom (oft 100 A bei 100 Ah) begrenzt die Wechselrichtergröße.
Batterie-Ladezeit-Rechner – mit Absorptionsphase für Blei und CV-Phase für LiFePO4
Welche Kapazität brauche ich?
Ausgangspunkt ist der Tagesverbrauch in Wattstunden. Sparsame Nutzer liegen bei 300–500 Wh, mit Kompressorkühlschrank und Laptop bei 600–1.000 Wh, mit Wechselrichter für Kaffee oder Induktion deutlich darüber. Für zwei Tage ohne Nachladen braucht es bei 800 Wh Tagesverbrauch rund 200 Ah LiFePO4 oder 320 Ah AGM – bei ungefähr einem Viertel des Gewichts.
LiFePO4-Kapazitätsrechner – rechnet Tagesverbrauch und Autarkietage in Nennkapazität um
Fazit
Für gelegentliches Camping mit Landstrom ist AGM weiterhin eine solide, günstige Wahl. Wer regelmäßig frei steht, Solar nutzt oder Gewicht sparen muss, fährt mit LiFePO4 langfristig besser – vorausgesetzt, Ladegerät, Ladebooster und Solarregler passen dazu.
Quellen
- Herstellerdatenblätter AGM-, Gel- und LiFePO4-Batterien (Zyklenzahlen, Entladetiefen, Gewichte)
- Peukert-Gleichung (Standardliteratur Batterietechnik)
Veröffentlicht am 19.09.2026.